Die Romfahrt 2019 – für viele von uns das erste Mal außerhalb von Deutschland und das Eintauchen in eine europäische Kultur so voller Geschichte wie keine andere. Wir trafen uns voller Aufregung am Bielefelder Hauptbahnhof, um eine Reise von ca. 8 Stunden anzutreten, wobei bis heute nicht klar ist, ob der Flug über das Meer oder das Fahren in der Schwebebahn das größere Highlight waren. Nach einer guten Stunde Busfahrt durch die Straßen Roms und einem guten Ausblick auf die italienische Architektur kamen wir endlich in unserem Hotel an. Nach einer kurzen Pause machten wir uns alle auf den Weg, ein gutes Lokal zum essen zu finden, um später uns alle überraschender Weise im gleichen Lokal wieder zu finden, welches jedoch einen sehr überzeugende Pizza servierte und von sehr lieben Menschen bedient wurde.

Nach der ersten, sehr gebrauchten Nachtruhe wurden wir auch direkt von einem leichten Frühstück begrüßt und starteten in den Tag. Nach einem kurzen Einkaufstripp in den nahen Supermarkt ging es zu unserer ersten Station – das Kolosseum. Bekannt als ein wichtiger Teil der römischen Geschichte und Schauplatz vieler blutiger Kämpfe und tragischer Reden beeindruckt es außerdem mit seiner wahnsinnigen Größe und ist ein architektonisches Meisterwerk erbaut zu den Zeiten 70 nach Christus. Mit seinen über 1.950 Jahren, die es bereits steht, ist es trotz allem immer noch das größte Amphitheater jemals gebaut und ein Muss für jeden, der Rom besucht. Jeder Stein hat seine Geschichte und man setzt sich gerne aus Versehen auf ein beeindruckendes Werkzeug der damaligen Zeit, ohne es zu wissen – glücklicherweise gibt es viele private Gruppenführer und Tourguides, die einen gerne darauf hinweisen und mit beeindruckenden Fakten versorgen.

Nachdem noch schnell ein Gruppenfoto gemacht wurde, ging es nun weiter zu den beiden anstrengendsten Stationen des Trips: dem Forum Romanum und dem Stadtrundgang. Im Forum angekommen, fingen wir an in der Mittagssonne den Spuren der alten Römer zu folgen. Wir erkletterten Anhöhen mit beeindruckenden Ausblicken, auf welchen man nur ahnen konnte, was für eine Landschaft hier vor tausenden von Jahren gelegen haben muss und betrachteten Säulen und Gebäudeumrisse, welche älter waren als wir alle je seien könnten. Wissend, wie hier einst Menschen liefen und ihre Götter ehrten wo wir nun standen, konnte man nicht anders als Staunen. Aber unsere Zeit im Forum verging und wir machten uns auf den Weg, weiter Richtung Innenstadt. Nach einer sehr angenehmen Mittagspause, verbracht in einem der vielen klimatisierten Restaurants ging es auch schon weiter mit dem Stadtrundgang.

Wir begannen mit dem Campo di Fiori – auch bekannt als Platz der Blumen. Dort findet man jeden Tag einen der beliebtesten und sehr lebhaftesten Märkte Roms, auf dem neben natürlich Blumen auch riesigen Auswahlen an Früchten und anderen Gütern von lokalen Bauern und kleinen Händlern angeboten werden. Weiter ging es zum Pantheon, einem antiken Bauwerk, welches im Jahre 609 zu einer Kirche umfunktioniert wurde und in den Zeiten der Römer als ein Verehrungsort für die Götter genutzt wurde, so fand man dort zum Beispiel antike Figuren der Götter Venus und Mars. Als nächstes folgte die Piazza Navona, welche bekannt ist für ihr früher beherbergtes Stadium, in welchem Gladiatorenkämpfe nach dem Brand des Kolosseums ausgetragen wurden und auf welchem man bis heute den Vierströmebrunnen sehen kann, welcher 1684 erbaut wurde und damals nicht nur die bekannte Welt durch die vier Männerfiguren, welche für die vier bekannten Flüsse der damals bekannten Kontinente standen, repräsentierte, sondern auch für den Besitzanspruches des Papstes stand.

Weiter ging es mit der Fontana di Trevi, einem weiteren sehr bekannten Brunnen Roms und außerdem dem größten Brunnen Roms mit circa 26 Meter Höhe und rund 50 Meter breite. Er ist einer der bekanntesten Brunnen weltweit und außerdem bekannt für den Mythos, das wenn man auf seinem Besuch eine Münze mit der linken Hand über seine rechte Schulter wirft, man wieder nach Rom zurückkehren wird. Der Brunnen wurde über viele unterschiedliche Bauprojekte zu dem, was er heute ist, seine Zeit begann jedoch 19 Jahre vor Christus, als er als Aquädukt neben eine der Thermen in Nähe des Pantheons gebaut wurde.

Danach wurden die spanischen Treppen besichtigt, ein wichtiges Element der römischen Geschichte im Bezug auf Frankreich. So sollten diese Treppen damals in Ehre des französischen Kaisers gebaut werden, indem sie einen ehrenvollen Aufstieg zur französischen Kirche in Rom baten, jedoch gerieten der Kaiser und der Papst auf Dauer des Baues in einen Konflikt, da jeder jeweils zeigen wollte, das er Macht über den anderen hat. So gibt es auf der Außenseite der Pfeiler das Symbol der Lilie als Zeichen des französischen Kaisers, die Innenseiten sind jedoch mit einem Adler für den Papst geschmückt. Es folgten noch viele weitere Machtspielchen, weswegen der Bau der spanischen Treppen sich im Endeffekt vom Jahr 1661 bis zum Jahre 1789 zog.

Doch damit hatten wir einen anstrengenden Tag voller Bauwerke und Historie beendet und starteten in unseren entspannten Abend, den wir selbst gestalteten. So teilten sich die Gruppen, und während die einen in ein entferntes Restaurant auf der anderen Seite des Tibers gingen, erkundete ein anderer Teil die nahe Stadt und entdeckte eines der soweit besten Restaurants, abseits vom Tourismus () und umgeben von wahrlich schönen Seitenstraßen, welche abseits der Touristenstraßen einen Einblick in das normale Umfeld der Einwohner Roms gab und einem ein wahrlich magisches Gefühl gaben, während man unter mit Pflanzen bedeckten Balkonen wanderte und an jeder Ecke von schönen Blumen begrüßt wurde.

Und vielleicht versteckt sich die wahre Romantik Roms doch zwischen den stillen Häusern, zwischen welchen man die Spuren der alten Antike zwar nicht sieht, aber spürt mit jedem Schritt und jedem Atemzug, mit welchem man die kühle Luft der alten Stadt atmet. Vielleicht ist die wahre Magie Roms der so feine Schnitt zwischen moderner und antiker Kultur, welche Hand in Hand gehen und zusammen ein Bild, ein Gefühl erzeugen, welches von purem Wissen strahlt und welches einem das Gefühl gibt, das vielleicht doch damals Götter auf der Erde wandelten, über die Menschen richteten und vielleicht noch heute über uns wachen.

Am nächsten Morgen ging es mit einer kleinen Abwechslung von all der warmen Luft und Sonne weiter – es hieß auf in die Katakomben! Die Katakomben Callisto sind nur eins von rund 60 Gräbersystemen unter den Straßen Roms und eine der ersten Gemeindekatakomben der Christen. Sie strecken sich über eine Fläche von circa 15 Hektar aus und liegt bis zu 20m tief im Boden vergraben, aufgeteilt in 4 Ebenen. Sie enthält geschätzt 375.000 Tausend Gräber, wobei durch Wiederverwendung wahrscheinlich über eine Millionen Menschen hier bestattet wurden, unter anderem auch Päpste. In diesen engen, dunklen Gängen wurden alle möglichen Arten von antiken Relikten und Malereien gefunden, welche die Toten begleiteten und trotz ihrer tragischen Atmosphäre sind sie alleine für ihre Geschichte und angenehm kühle Luft ein Ausflug, der sich lohnt.

Und nun ein kleines persönliches Highlight – der Besuch im Strandbad Plinius bei Ostia. Nach einem kurzen, uns überraschenden Regenschauer machten wir uns mit der Bahn auf den Weg. Aus der U-Bahn – Station raus war es dann nur noch ein kleiner Fußweg zum Strand, so kurz das man das Meer schon hören konnte. Als wir dann den Strand erreichten, war es nicht weniger beeindruckend als gedacht – ein wunderschöner Strand, der in einem noch schöneren Meer endete, das in der Mittagssonne glitzerte und uns einlud, den heißen Mittag hier zu verbringen. Alle sehr begeistert von der auf uns zukommenden Pause und Erfrischung im Meer, versuchten wir mit größter Vorsicht den überaus heißen Sand zu überqueren und sprangen von Schatten zu Schatten, bis wir schließlich die Sonnenschirme erreichten und uns in kleinen Gruppen zusammenfanden, um den Tag mit einem angenehmen Wechsel aus Sonnen und Schwimmen zu genießen.

Nach all dem Strandspaß ging es zurück zum Hotel, wo nach einem angenehmen Abendessen in einem der lokalen Restaurants unser dritter Tag in Rom zu Ende ging. Und nach einer weiteren Nacht startete ein weiterer Tag mit einem großen Programmpunkt – die Vatikanischen Museen und der Petersdom. Für diesen Programmpunkt hatten wir eine sehr liebe deutsche Führerin, die ihr eigenes Reiseunternehmen hier in Rom hat. Die Vatikanischen Museen sind simple gefasst, unbeschreiblich. Eine dermaßen große Ansammlung an Kunst mit so vielen einzelnen, historischen Hintergründen ist einfach nicht zusammenzufassen. Von den Statuen bis zu den berühmtesten Kunstwerken – die Schule von Athen, die Sixtinische Kapelle – die Vatikanischen Museen sind ein absolutes muss für jeden, der Rom besucht. Und der Dom ist nicht weniger beeindruckend. Ein architektonisches Meisterwerk von einer dermaßen Größe, es ist wie ein Wunderwerk. Die ehrfürchtige Energie, die jeden packt, sobald man ihn betritt und die schiere Größe aufnimmt, lässt alle Stimmen verstummen, während man durch ein künstlerisches Wunderwerk mit größter religiöser Bedeutung wandert und die Geschichte zu Statuen, Päpsten und Heiligen erfährt.

Nach einer beeindruckenden Führung vorbei an weltbekannter und weltbewegender Kunst und durch die ehrfürchtigen Hallen des Petersdomes hatten wir nun einen großen Freiblock, um nochmal die Schönheit Roms selbst und frei zu erkunden. Wir wanderten durch die Straßen, aßen Eiscreme und besorgten kleine Souvenir für Freunde und Familie zuhause und genossen unseren vorletzten Tag in Rom. Am späteren Abend gab es dann das gemeinsame Abendessen – nicht im traditionellen Restaurant der Jahrgänge vor uns, aber in einem mindestens genauso schönen Lokal. Umgeben von Lichterketten, Pflanzen und der angenehmen Abendluft genossen wir unser letztes Abendessen in Rom und generell unseren letzten Abend vor dem Aufbruch, umgeben von Freunden und Pizza in einer der schönsten und ältesten Städte Europas.

Nach dem letzten Koffer kontrollieren und auschecken ging es nun weiter zu unserer Letzen Kulturellen Station – Tivoli und die Villa Hadriana. Die Villa, welche ein alter Sommersitz des Kaisers Hadrian waren, sind heute zwar nicht mehr ganz so prunkvoll wie früher, aber noch immer beeindruckend. Die circa 80 Hektar umfassende Palastähnliche Struktur erstreckt sich über ein Grundstück von 500 Hektar und beherbergte eine eigene, riesige Bibliothek, die Gemächer des Kaisers, Gemächer für Gäste und Bedienstete, eine eigene Therme und noch viel mehr Bauten. Mit eigenen Wassergräben und Teichen von unglaublicher Schönheit spiegeln die Villen auch Jahrhunderte später und in Ruinen gelegt noch immer den unglaublichen Reichtum des damaligen Kaisers und auch den Reichtum des römischen Reiches sehr gut wider. In dieser Villa wurden unglaubliche Bautechniken genutzt, die bis heute ein Paradebeispiel für das Genie der damaligen Ingenieure sind und künstlerisch unvergleichlich. Das komplette Anwesen ist neben seiner kulturellen Bedeutsamkeit ein Meisterwerk der Architektur und damaligen Kunst, was in seinem voll erbauten Zustand wohl bis heute seine gleichen suchen wird.

Doch auch dieses kulturelle Abenteuer fand sein Ende und damit machten wir uns auf nach Tivoli, für ein letztes Essen vor unserer Rückkehr nach Deutschland und um einmal die beste Eiscreme, welche es in einer kleinen Seitenstraße unweit des Zentrums in einer kleinen Eisdiele gibt, zu essen. Und damit machten wir uns auf den Weg zurück zum Flughafen und kamen im Endeffekt um 1 Uhr rum wieder in Brackwede an.

Zurückblickend war die Romfahrt für viele von uns eine bedeutende Erfahrung. Man lernte Menschen besser kennen, nachdem man fünf Tage mit Ihnen auf engstem Raum verbachte und erschuf Fotos und Erinnerungen. Und all das, während man in den Fußspuren der Geschichte wandelte. Ich glaube, manchmal haben wir nicht ganz realisiert, was für eine gravierende Größe die Monumente, welche wir uns angeschaut haben, wirklich haben, aber wenn man es überdenkt, trifft es ein. Eine Stadt der Weltgeschichte. Eine Stadt, welche sich so sehr wandelte seit Caesar und Kaiser Nero in ihr wandelten und doch nie ihre Verbindung zur Geschichte verlor und sich nun mit ihr rühmen kann. Auf dieser Reise standen wir an den Orten, an denen die alten Kaiser und römischen Bürger wandelten. Wir standen da, wo die römische Bevölkerung stand, als Caesar zu ihnen sprach. Vielleicht wandelten wir auf den gleichen Straßen, auf denen einer der Senatoren entschied, dass Caesar sterben muss. Wir besichtigten Monumente von beeindruckender Größe, welche die wahre Brillanz der Antike zeigten mit dem bloßen Fakt, dass sie nach tausenden von Jahren standen.

Wir sahen Kunstwerke, die bis heute in Erinnerung bleiben, von den berühmtesten Malern der Geschichte und realisierten erst nicht, wie beeindruckend der Faktor ist, dass wir all dies sehen können, ein kleiner Nachruf unserer tausend Jahren alten Vorfahren. Rom ist eine beeindruckende Stadt voller versteckter Magie, im stetigen Wandel und doch so antik, mit einer Energie die einen direkt in den Bann zieht. Und wenn man durch die Straßen geht, spürt man einen Funken dieser Energie, die an diesem Ort liegt, geschaffen von Jahren an Geschichte und lebhaft gemacht von den Millionen an Generationen der Menschheit, die diese Stadt erbauten, niederbrannten und wie einen Phönix aus der Asche wiedererrichteten.

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